Durch unseren Umzug von Berlin nach Herrnburg bei Lübeck konnte ich nun feststellen, wie unterschiedlich Frauenarztpraxen sein können und wo sie sich doch sehr ähneln. Ich berichte hier aus der Sicht einer schwangeren Patientin und daher interessieren mich gerade nur die Details und Leistungen, die mich persönlich betreffen.
Mit dem Wort Arztpraxis verbinde ich weiße Wände, alles sehr kühl bzw. steril — gemütlich sind höchstens die Holzdielen und der Altbaucharme in den Räumen — und lange Wartezeiten. Von persönlichen oder Babyfotos keine Spur. So ist es zumindest in meiner alten Berliner Parxis. In einem größeren Raum sind zwei abgetrennte Bereiche um ein CTG zu schreiben und neben dem Herzchen des eigenen Babys hört man brav bei der anderen Mama mit. Auf Gemütlichkeit wurde auch hier kein Wert gelegt. Hinter den Barschwenktüren und eingezogenen Pappwänden wird ja auch nur ein CTG geschrieben, für das man mal eben 20 Minuten rum liegt. Dies war für mich alles normal und hat mich auch ehrlich gesagt nie gestört. Hauptsache das Team macht seine Arbeit gut und ist nett.
Ein großes Problem in der Berliner Praxis waren die Wartezeiten. Wenn du deinen Termin nicht gerade als Erste um 9 Uhr hattest (selbst da musste ich mind. eine halbe Stunde warten), dann konntest/musstest du gern mal bis zu 2h warten, was für eine Schwangere schon mal sehr anstrengend werden kann. Ja klar wir sind nicht krank, aber Rückenschmerzen, kribbelnde Beine, Magenschmerzen, Hitzewallungen und andere nette Nebenwirkungen bleiben in einer Schwangerschaft nun mal nicht aus. Bei so langen Wartezeiten wäre es auch sinnvoll gerade für Schwangere einen Wasserspender aufzustellen. Der fehlte einfach mal in dieser Praxis.
Was mich aber am Meisten stört, sind die Toiletten. Egal ob in Berlin oder Lübeck, in beiden Praxen könnten die lieben Arzthelferinnen öfter mal ins Bad schauen und ein bissel für Ordnung und Sauberkeit sorgen. Frauen können nämlich auch richtige Schweinchen sein und nehmen keine Rücksicht auf andere. Was ich schon alles gesehen, gerochen und gehört habe.
Letztens meinte ein männliches Wesen zu mir, dass es auf den Frauenklos ja immer nur sauber und ordentlich sein kann. Falsch gedacht liebe Männer. Manchmal würde ich gern mit den Männern tauschen, mich an ein Becken stellen und ….
Egal, zurück zum Thema. Was gibt es noch über die Berliner Praxis zu berichten? Achja, da war doch noch was, was mir bei der Feindiagnostik übel aufgestoßen ist. Die Ärztin (nicht meine Frauenärztin, die mich betreut hat) die diese Untersuchungen gemacht hat, hat immer an meiner “dicken” Bauchdecke rumgenörgelt und dass die Untersuchungen dadurch ungenau und schwierig sind. Danke, genau sowas mag ich in der Schwangerschaft hören. Ich bin sicher nicht die einzige Schwangere, die ein bissel mehr auf den Rippen hat. Tja und ganz nebenbei kann man auch schon mal erwähnen, dass in dieser Schwangerschaft die Nackentransparenzmessung und der Zuckertest vergessen wurden.
Trotzdem hätte ich die Praxis in Berlin nie gewechselt, da ich doch recht zufrieden war und das lag auch an meiner tollen Frauenärztin, die ich dort hatte.
Nun sind wir aber in Lübeck gelandet und lernen nicht nur eine neue Umgebung, neue Leute und ein neues Leben kennen, sondern auch eine neue Hebi, eine neue Frauenarztpraxis und eine neue Klinik.
Meinen ersten Termin in der neuen Frauenarztpraxis habe ich schon von Berlin aus ausgemacht, da ich ja auch die 4 Wochen Abstand einhalten wollte. Dies ging dann ganz einfach und unkompliziert per Mail. Die Lage der Praxis ist genial, denn vom Bahnhof laufe ich durch das Holstentor Richtung Breite Straße direkt in die Fußgängerzone. Dort kann ich dann nach meinem Besuch beim Frauenarzt noch schön shoppen gehen oder Marzipan kaufen.
In der Praxis wusste leider keine der Damen, dass ich einen Termin hatte. Alle waren sehr verwundert und als ich dann erzählte, dass ich den Termin per Mail gemacht hatte und dies auch beweisen könne, wurde einiges klar. Ich hatte Mailkontakt mit dem Chef persönlich und wie Chefs nun mal sind, vergessen sie auch gern, den ein oder anderen Termin einzutragen. Ich kenne das sehr gut aus meiner Zeit als Tierarzthelferin in einer Praxis.
Ich hatte bis jetzt zwei Termine in der Praxis in Lübeck und fühle mich dort wohl und sehr gut aufgehoben. Auf Wünsche wird sofort eingegangen und Fragen werden ausführlich beantwortet.
Die Praxis wirkt sehr freundlich und warm. Viele Babyfotos in der Praxis, private Fotos in den Behandlungsräumen, warme Farben an den Wänden und eine kuschelige Spielecke im Wartezimmer machen aus der Gemütlichkeit in dieser Praxis eine runde Sache. Hier gibt es ein richtiges CTG-Zimmer, wo ich mir aussuchen kann, ob ich sitzen, liegen oder auf einem Ball rumhüpfen mag während des CTGs. 
Es wird sehr darauf geachtet, dass man immer ausreichend mit Wasser versorgt ist und bei jeder Behandlung ist eine Hebamme dabei.
Jetzt der absolute Knaller, denn bei beiden Terminen habe ich INSGESAMT 15 Minuten gewartet bis ich ran kam. Traumhaft und sehr angenehm.
Genial ist auch der EC-Karten große USB-Stick. Nach jedem Ultraschall werden alle Daten und Fotos dort gespeichert und so habe ich immer alles zu Hause. Sowas sollte jede Praxis haben.
Da diese Praxis sehr eng mit der Frauenklinik zusammen arbeitet, in der ich entbinden werde, werden Termine zur Voruntersuchung, weil es diesmal ja ein geplanter Kaiserschnitt wird, direkt vom FA gemacht und die Kreißsaaltelefonnummer für Notfälle wurde mir auch sofort in den Mutterpass eingetragen. Ich hoffe sehr, dass es so erfreulich weiter geht und ich diesmal mit einem Lächeln auf die Geburt zurück schauen können werde.
Also ich muss sagen, dass jede Praxis Vor- und Nachteile hat und keiner perfekt ist. Man sollte sich nur wohl fühlen und dieses Gefühl tritt nur ein, wenn eine gute Mischung aus fachlicher Kompetenz und menschlicher Wärme vorhanden ist. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte man, wenn möglich, den Arzt in der Praxis wechseln (wenn es am Arzt liegt) oder sich eine andere Praxis suchen.